Hauptseite  Modelleisenbahnblog  Bestbewertet  Meistgelesen  Videos 

RSS  Newsletter 


Kleine Bahn ganz groß in Stuttgart


03.06.17 10:46

Am vergangenen Wochenende fand in Stuttgart die Modell-Straßenbahn-Ausstellung „Kleine Bahn ganz groß“ statt. Die Ausstellung, die jedes Jahr an einem anderen Ort ihre Türen öffnet, war in der Straßenbahnwelt zu Gast. Wie bei allen Modelleisenbahnausstellungen war es natürlich auch hier so, dass nur ein Teil der gezeigten Anlagen wirklich gut und interessant war. Ich zeige im Folgenden ein paar Ausstellungsstücke, die mir besonders gut gefallen haben. Bei Straßenbahnen kommt dabei in ganz besonderem Maße die Gestaltung der Gleisanlagen zum Tragen. Hier haben einige Aussteller wahre Wunder vollbracht.

Bergische Museumsbahn e. V.

Modellstraßenbahn der Bergischen Museumsbahn e. V.

Diese Anlage mit bergischem Flair überzeugt nicht nur mit hübschen Gebäuden, zahlreichen Details und einer stimmigen Farbgebung sondern vor allem auch durch ihre wirklich wahnsinnige Gleisführung. Die großteils selbst gebauten Gleisanlagen (inkl. Kletterweiche!) führen verschlungen über mehrere Ebenen durch beeindruckende Radien und Steigungswechsel. Und zum Erstaunen der Zuschauer funktioniert die Anlage fast so zuverlässig wie ein Uhrwerk; die Bahnen unterschiedlicher Vorbilder verlieren weder beim langsam Fahren den Kontakt noch springen Sie bei schneller Fahrt über Weichenstraßen aus ihren Spurrillen. Die funktionsfähige Oberleitung ist sicher ein Grund für diese Zuverlässigkeit. So bereitet das manuelle Fahren per Smartphone selbst den jüngsten Vereinsmitgliedern große Freude.

Magdeburger Straßenbahnfreunde e. V.

Modellstraßenbahn der Magdeburger Straßenbahnfreunde e. V.

Etwas bodenständiger aber nicht weniger hübsch anzusehen ist die Anlage der Magdeburger Straßenbahnfreunde. Hier bleibt die Bahn in einer Ebene, dafür kommen DDR-typische Straßenzüge einschließlich der bekannten Betonplatten zwischen den Straßenbahngleisen voll zur Geltung. Einige Magdeburger Gebäude wurden detailgetreu nachgebaut. Ein passender Fahrzeugpark und ein lebendiger analog gesteuerter Fahrbetrieb runden das sehr stimmige Gesamtbild ab.

Stuttgart

Modellstraßenbahn von Herrn Halbeisen

Dieses kleine Diorama von Herrn Halbeisen stellt eine typische Stuttgarter Stadtbahn-Haltestelle in Straßenmittellage mit Hochbahnsteigen dar und setzt so ein Modell des Stuttgarter Stadtbahn-Triebwagens der zweiten Generation gekonnt in Szene. Da das Diorama insgesamt recht aufgeräumt wirkt, lebt es von detailreichen Motiven wie diesem Z-Fußgängerüberweg, bei dem von der Ampelanlage plus Beschilderung über Geländer und Figuren bis hin zu den versenkten Kabelkanälen zwischen den Gleisen an alles gedacht ist.

Rheinberger Straßenbahnbetriebe

Modellstraßenbahn der Rheinberger Straßenbahnbetriebe

Das exakte Gegenteil von einer aufgeräumten Anlage stellen die fiktiven Rheinberger Straßenbahnbetriebe dar. Die Anlage enthält einige absolute Kardinalfehler des Modelleisenbahnbaus (alles auf einem „Brett“ aufgebaut, das meiste schön rechtwinklig und parallel zu den Anlagenkanten ausgerichtet, praktisch ausschließlich Verwendung von Katalogware und ein bunter Mix aus Fahrzeugen, die sich in einer echten Stadt nie begegnen würden). Selbst bei den ausgewählten Katalogartikeln wurden bei Weitem nicht immer die schönsten und filigransten ausgewählt, wie man beispielsweise bei den Peitschenleuchten sieht.
Und trotz dieser scheinbaren Mängel überzeugt diese wunderschöne Anlage auf ganzer Linie. Ich habe mich mal an einer Analyse versucht:
Zunächst einmal sind die Straßenführung und Gestaltung der Straßenräume absolut vorbildgerecht. Dazu zählen die Gehwege und Verkehrsinseln, die Straßenbeschriftung, Geländer und Schaltkästen; aber vor allem auch die vorbildliche Beschilderung und die zahllosen Ampeln, für die allein ein vierstelliger Betrag ausgegeben worden sein dürfte. Zur Beschilderung hinzu kommen auch noch die zahlreichen Werbeschilder an den Gebäuden. So traurig es ist, ich glaube, allein durch die wohl bekannten Marken-Logos an allen Fassaden fühlen wir uns in eine reale Stadt versetzt.
Der zweite wesentliche Aspekt sind Begrünung und Farbgebung. Die Häuser sind so dezent gealtert, dass es dem ungeübten Auge zunächst kaum auffällt. Bei der Ausgestaltung der Anlage mit Bäumen und Büschen wurde wieder richtig tief in den Geldbeutel gegriffen und weder bei der Stückzahl noch bei der Qualität der eingesetzten Pflanzenmodelle gespart. Die Stadt wirkt dadurch an manchen Stellen fast schon zu grün, aber Form und Farbe der Bäume und Büsche überzeugen einfach.
Ein weiterer sehr gelungener Punkt, der bei vielen Modelleisenbahnen vergessen wird, ist die Kulisse. Damit meine ich nicht nur die im Bild sichtbare Hintergrundgestaltung, sondern auch die zusätzlich eingesetzte Geräuschkulisse mit Stadtgeräuschen (teilweise sogar auf die fahrenden Züge abgestimmt) sowie die sehr gute und gleichmäßige Beleuchtung der Anlage sowie die Präsentation derselben in einem schwarzen Guckkasten-Rahmen.
Und nun kommen wir zu Bevölkerung und Belebung: Die gesamte Anlagenfläche ist geradezu vollgestopft mit Figuren und Autos, mit Bewegungs- und Lichteffekten. Überall blinkt, leuchtet und blitzt es, dreht sich ein Wiking-Bagger oder hebt und senkt sich ein Faller-Aufzug.
Dass die Stadt so überfüllt ist, muss daran liegen, dass es sich um einen sehr warmen November-Samstag handelt. Die Menschen strömen in die Stadt, in die Biergärten und auf den Weihnachtsmarkt. Die Straßenbahnen können die Anlage eigentlich nur in einer Schleife mit Ausweiche befahren, aber auch einige Fahrzeuge im Betriebshof bewegen sich computergesteuert einige Zentimeter hin und her, was zusätzlich zum Gewusel auf der Anlage beiträgt. So etwas zieht natürlich die Blicke auf sich, auch wenn es für mich schon fast etwas „too much“ ist. Mit einer Trittleiter ist dafür gesorgt, dass auch die Kleinen einen Blick auf die Anlage werfen können. Vorbildlich!

Modellstraßenbahnclub der DVB AG e. V.

Schauanlage des Modellstraßenbahnclub der DVB AG e. V.

Die Gastgeber aus dem nächsten Jahr sind auch schon in Stuttgart mit ihrer Ausstellungsanlage am Start. Nachgebildet wurde die S-Bahn-Station Dresden Mitte mit ihrer Umgebung. Über die sehr schönen selbst gebauten Straßenbahn-Gleisanlagen fahren sogar zusätzlich noch Car-System-Busse anscheinend ohne jegliche technische Schwierigkeiten. Der Bahnhof Mitte selbst ist noch nicht fertiggestellt, einige exakt nachgebildete moderne wie auch ältere Gebäude aus der Umgebung dagegen schon. Schade, dass die Anlage so aufgestellt war, dass man von den teils sehr filigranen Fassaden wenig sehen konnte. Der Fahrzeugpark besteht durchgehend aus passenden Dresdner Bahnen, darunter sehr viele Museumsbahnen.

Dies war nur ein kleiner Ausschnitt aus dem in Stuttgart Präsentierten, der sicher nicht der Mühe jedes einzelnen Ausstellers gerecht wird. Erwähnen möchte ich noch die Stuttgarter Vereinsmitglieder, die mit dem „Kleinen Stadtverkehr“ und der Filderbahn vertreten waren sowie Herrn Spühr, auf dessen kleiner Gleisschleife ein jeder Besucher seine in etwa 60 Jahren entstandenen Straßenbahnen mit Beiwagen mit der originalen Kurbel fahren konnte. Und wie bei der großen Eisenbahn so gilt auch hier: Die eigentliche Kunst ist das Bremsen.

Im kommenden Jahr 2018 wird die Kleine Bahn ganz groß im Alten Schlachthof in Dresden zu bestaunen sein. Sicherlich werden einige Aussteller der Veranstaltung die Treue halten sodass in Dresden wieder ein Mix aus bekannten und neuen Anlagen zu erwarten ist.

Und nun zum Abschluss noch zu einem ganz persönlichen Highlight der Ausstellung in Stuttgart. Zum ersten Mal und vorerst auch letztmalig hat mein Vater sein erst zum kleinen Teil fertiggestelltes Modell der Neunkircher Straßenbahn der Öffentlichkeit präsentiert. Die Anlage zeigt einen Ausschnitt der saarländischen Stadt Neunkirchen, die bis in die 1970er Jahre einen kleinen Straßenbahnbetrieb besaß. Die Besonderheit dabei war die mit über 11% Steigung steilste Straßenbahnstrecke Europas im Reibungsbetrieb am Hüttenberg.

Straßenbahn Neunkirchen im Modell

Bisher ist nur ein Teil der angrenzenden Bahnhofstraße im Modell fertig gestellt. Dabei hat mein Vater jedes einzelne Haus nach Vorbildfotos aus Kunststoffplatten und -profilen originalgetreu nachgebaut.

Straßenbahn Neunkirchen im Modell

Straßenbahn Neunkirchen im Modell

Die Beschriftungen habe ich in Form von Decals beigesteuert; ebenso die vorbildgerechten Papierkörbe, Parkuhren und Fassadenschriften, die wie das aufwändig gestaltete Bayer-Kreuz im 3D-Druck entstanden sind.

Straßenbahn Neunkirchen im Modell

Zudem habe ich für jeden Straßenbahnwagen individuell Werbebeschriftungen nach Originalvorbild gezeichnet und auf Nassschiebe-Folie drucken lassen.

Straßenbahn Neunkirchen im Modell

Meines Erachtens ist das Ergebnis schon jetzt in diesem frühen Stadium beeindruckend. Erst etwa 20% der Anlage sind einigermaßen fertig. In Dresden wird die Neunkircher Anlage daher nicht zu sehen sein, aber ganz sicher ist sie in einigen Jahren wieder einmal bei einer „Kleine Bahn ganz groß“ mit dabei.

Bewerte diesen Artikel:    RSS-Feed  Modellbahn-Newsletter

Zurück: Polizeiauto mit Blaulicht und Scheinw...
Diese Woche habe ich das T-Modell der Mercedes-Benz E-Klasse von Busch mit Scheinwerfern, Rückleuchten und Blaulicht ausgestattet und noch etwas aufgewertet. Das erste Problem dabei war das Zerlegen des Modells. Ich...

Kommentare zu diesem Artikel

Erstelle den ersten Kommentar zu diesem Artikel!

Einen Kommentar erstellen

Name (erforderlich)

E-Mail-Adresse zur Benachrichtigung bei Antworten (optional)

Webseite (optional)

Hinweise zu Kommentaren

Die Kommentare werden von einem Moderator freigeschaltet. Die Möglichkeit, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht freizuschalten, ist vorbehalten.


© 2007-2017 Bahn87.de  Kontakt  Hilfe  Impressum


ID kbgg  Nr. 140